Träume sind greifbar.

Wer träumt nicht von der großen weiten Welt?                                                                  Wer fragt sich nicht wie es wäre in einem anderen Land zu leben?

Neues zu erkundigen ist immer interessant und ein Schüleraustausch bietet viele Möglichkeiten um dies zu tun.

Ein Austauschschüler zu sein ist aber nicht einfach.

„Ich schaffe das schon.“ Irgendwie. Bestimmt. Es gibt Tage, an denen ich mir selbst nicht glaube. Am liebsten würde ich die Zeit zurückdrehen. Was hat mich bloß zu diesem Irrsinn geritten? Vielleicht wollte ich einfach beweisen, dass ich stark genug bin. Doch mit der Zeit verstand ich, dass ich Menschen um mich herum nichts beweisen muss. Doch jetzt will ich es mir selbst beweisen.

Am Flughafen überlegte ich mir dann für einen Moment ernsthaft, meine Koffer zu nehmen und zurück nach Hause zu fahren. Einfach so, als ob nie etwas gewesen wäre. Doch wofür habe ich mir dann den ganzen Stress angetan?

In dem neuen Land angekommen wird mir mit der Zeit bewusst, dass es die kleinen, und bisher selbstverständlichen Dinge sind, die plötzlich viel wichtiger erscheinen. Die Kochkünste meiner Mutter. Das Treffen meiner Freunde auf dem Weg zur Schule. Das S-Bahn fahren. Das Lachen mit Freunden über Dinge, die nicht lustig sind. Mein Vater, der einfach alles kann. Die Bushaltestelle um die Ecke. Meine Lieblingsschokolade. Die Fußgängerzonen. Die Besuche bei meiner Tante. Der weltbeste Kuchen meiner Oma. Und noch so viel mehr.

Doch dann kommen Tage, an denen du einfach nur nach Hause willst, weil alles so anders ist. Dazu kommen noch die Albträume, die mich nachts nicht schlafen lassen. Andere mögen mich fragen, warum ich mir das alles antue. Warum ich nicht einfach alles hinschmeiße und nach Hause fliege. Warum? Weil das Ganze es wert ist.

Auch wenn alles auf den ersten Blick nicht so ist wie in meinen Vorstellungen, am Ende wird es bestimmt sogar noch schöner als ich es mir erträumt habe.

Tausende Kilometer von deinem Zuhause hast du plötzlich ein zweites Zuhause. Plötzlich kümmern sich eigentlich fremde Menschen um dich, nehmen dich auf, sind stolz auf dich und unterstützen dich.

Und wieder sind es die kleinen Dinge, die mir klar machen, dass ich mich richtig entschieden habe. Die Begeisterung der ganzen Schule bei dem Basketballspiel der Schulmannschaft. Die Tatsache, dass es niemanden stört, wenn du die Geschichtsstunde mit dem Kopf auf dem Tisch liegend, schlafend verbringst. Die 23 jährige Psychologie Lehrerin, die dir von ihren peinlichsten Situationen im Unterricht erzählt. Die Sonntage, an denen du nach der Kirche shoppen gehen kannst. Die Aufregung vor dem Homecoming Dance und Prom. Die Menschen, die alle ihr Deutsch an dir testen wollen. Die Liste ist lang.

Mir wurde hier schon so vieles bewusst. Einfach der Gedanke, dass meine Freunde und meine Familie mich wirklich unglaublich lieben. All das Nachdenken über mich selbst und mein zukünftiges Leben.

Ja, ein Austauschschüler zu sein ist nicht einfach. Aber jeder Moment, in dem ich mir am liebsten die Seele aus dem Leib geschrien hätte, jede Träne, die ich vergossen habe und jeder Tag, an dem ich alles hinschmeißen und die Zeit zurückdrehen wollte, waren es wert.

Niemand hat jemals behauptet es wäre einfach. Niemand hat jemals behauptet es gäbe nur schöne Zeiten. Ein Austauschschüler zu sein bedeutet, Neues kennenzulernen. Eine neue Sprache kennenzulernen. Eine neue Kultur kennenzulernen. Neue Sitten kennenzulernen. Fremde Menschen kennenzulernen. Doch als Austauschschüler lernt man noch so viel mehr. Man lernt andere Wege der Kommunikation. Man lernt sich in zwei Sprachen zu verständigen, zu denken und sogar zu träumen. Man lernt eine andere Denkweise zu verstehen. Man lernt, was es heißt Verantwortung zu übernehmen. Man lernt, dass man für seine Träume kämpfen muss und nicht unerreichbar sind. Man lernt dankbar zu sein, für das, was man hat. Doch das wichtigste ist, dass du lernst, wer du wirklich bist.

Als Austauschschüler erlebt man Höhen und Tiefen, viele schöne, aber auch viele schwere Zeiten. Aber das ist es wert.